Arndt Tomás Aphorismen von Hans Arndt - Seite 3/8
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Weisheiten von Hans Arndt - Zitatsammlung "Im Visier"

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Jenseits der Wahrnehmung

Der Tod ist ein Magnet mit weitem Vorfeld.

Unser Leben erschöpft sich im wechselvollen Bedingungen.

Friedhöfe sind die Herbergen erloschener Leidenschaften.

*

*

Synkope

Man ahnt die Existenz des Wegweisers, nachdem man den falschen Weg bis zum Ende ging.

Wir begreifen geführte Gespräche oft erst nach langer Zeit - dann aber mit brennender Präzision.

*

Im Zenit

Äußerstes Können ist konstante Gewohnheit im Fehlerlosen auf hohem Niveau.

Das Außergewöhnliche vermögen nur die Außergewöhnlichsten.

Virtuosität ist der Lebensstil mit höchstem Anspruch.

Frei sein heißt, das Menschliche zu wissen ohne seinen Tiefen zu erliegen.

Konzentration ist die ungetrübt nach innen gerichtete Abseitigkeit.

*

Früh Vergilbt

Es machte ihn wenig froh, da es ihm zugefallen war.

Als er das Nichtzuträumengewagte erreicht hatte, fiel er in dumpfe Selbstverständlichkeit,
bis er die Last zu ahnen begann, die er zu tragen hatte.

*

Im Zwang Des Schöpferischen

Der große Künstler schwimmt ins offene Meer, ohne den Gedanken ans Zurück.

Die Perfektion hat den Sog ins Unendliche, und daher für den Menschen Heimatlose.

Gipfel haben ihr eigenes Klima.

Die Vollendung will, daß man in sie taucht - nicht, daß man nach ihr greift.

Das Maß in der Kunst ist die überwundene Maßlosigkeit.

Wer einer Aufgabe lebt, muß das Sichlösen noch mehr beherrschen als das Sichbinden.

*

Jede Perfektion erhält ihr schicksalhaftes Profil auch durch die spezifische Art ihres Entstandenseins.

Die Bindung ist die Urzelle des Lebens, die Gelöstheit indes die letzte Frucht ihrer Entwicklung.

Das Experiment enthält zugleich den Mut zum Umweg.

Die Arbeit des Künstlers besteht im aktiven, im schöperischen Warten.

Der Künstler muß ständig seine Existenz nachweisen.

Die ins Unendliche gesteigerte Leistung ergreift, da sie zugleich das Endliche im Menschen aufweist.

*

*

Rezeptpflichtig

Vor dem Tod steht der Mensch Schlange, ohne es zu wissen.

Trübe Vorausahnungen sind wie sich ankündigende Schneeluft.

Die Sklerose ist der begleitende Schatten des Menschen, der besonders in seinen lichtlosen Zeiten wächst.

Man muß den Tod im Angebot der Duzbrüderschaft zuvorkommen, um ihn auf Distanz zu halten.

*

Der Selbstmöder kommt in den Genuß seiner Konsequenz.

Das Herz bringt sich in Erinnerung, indem es kurz- oder langfristig kündigt.

Die Zeugung ist unser Urteil, dessen Strafvollzug bei der Geburt beginnt.

Der Arzt und der Tod sagen beide: "Der Nächste bitte".

*

Im Taumel

Sie umschlangen sich im heißen Spätsommer ihres Lebens in der Erwartung des ersten abkühlenden Gewitters.

Sie liebten sich mit der Inbrunst des Periodischen.

Sie spielten virtuos an der Oberfläche und ertranken doch in der Tiefe.

*

Am Anderen Ufer

Der große Arzt versucht durch seine Dialektik, die Ansprüche des Todes zu vertrösten.

Von wahrhaft königlicher Diskretion ist unser Lächeln erst im Tode.

Die Macht des Leisen offenbarte sich erst, wenn die Toten zu Worte kämen.

*

Unruhige Waage

Der Gleichmut glättet die Ungeduld unseres Geistes mit dem Wissen um ihre ständige Wiederkehr.

Im Gefühl des Glücks verlagern sich die Horizonte.

Die Freude und die Güte erscheinen als Zwillingsschwestern mit abhängigem Schicksal.

Der Hochsensible dankt schon beim Nahen seelischen Gleichgewichts mit dem Preise des Glücks.

*

Modulationen

Er rang die Hände und fluchte, während sich die Ergebung anbahnte.

Seine Vorwürfe verstummten, als das Verständnis ihn zum Mitleid führte.

In ihrer beider Begegnung erlitt der Stolz seine liebenswerteste Niederlage.

*

Im Austausch

Unsere Hände greifen das Leben, und das Leben läßt sie uns gezeichnet zurück.

Den teuersten Tribut zahlt der Mensch für seine Reife.

Der Idealismus der Jugend ermöglicht die Weisheit des Alters.

Unsere Leiden sind die schlichten Investierungen in noch unbekannte Gewinne.

*

Wetterleuchten

Während er nicht wußte, was er sagte, begann er zu ahnen, was er wollte.

In den faszinierenden Frauen erkannte sie sogleich ihre eigenen unbegrenzten Möglichkeiten.

Er wurde erst mutig, als er einsah, daß der Rausch des Lebens ihm seine letzte Chance bot.

*

*

Erregende Vorgänge

Der Dämon ermöchtigt uns zu einer Kraft, die unsere Kontrolle entweiht.

Das Maßvolle wirkt oft maßlos ergreifend.

Eine bedeutende Aussage beginnt beim Wagnis und endet bei der allgemeinen Gültigkeit.

Es sind Symptome der Liebe, wenn wir augenscheinliche Schwächen und
Fehler eines Menschen plötzlich anziehend finden.

Die Furcht treibt in der Herausforderung ihre gefährlichste Blüte.

Unsere Freude wird zwielichtig, wenn wir aus Versehen das Richtige taten.

*

Bei Sich

In der Jugend hatte er Angst vor dem Leben, im Alter hatte er Angst vor dem Tode: Er
schloß einen Vergleich mit der gegenwärtigen Stunde.

Er machte Inventur mit seinen Freundschaften und entdeckte sich selbst.

*

Brandmale

Die Resignation verschafft sich ihre Freuden durch Fremdkörper.

Wohin wir auch sehen, wir sehen Schicksale.

In der Verbitterung schwelt verborgen der Schmerz über unser Versagen.

*

Vermiedene Höhen

Er mißtraute dem Glück, denn er glaubte seine Freiheit in Gefahr.

Als sie die Beweise ihrer gegenseitigen Zuneigung nicht mehr steigern konnten,
zweifelten sie an der Liebe.

Seine Gedächniskraft näherte sich von der Mutlosigkeit, sich selbst zu vergessen.

*

Im Armenhaus Des Lebens

Die Namenlosen empfinden in lauter Diskretion.

Aus ihrem Blick spricht verjährte Erwartung.

Viele treten ab, ohne je angetreten zu sein.

Sie war verblüht, bevor es noch Zeit zum Blühen war.

Bei manchen Menschen besteht die Hochsaison ihres Lebens aus nur ein paar warmen Tagen.

*

Stigma

Die fixe Idee lockt als Irrlicht ins Moor.

In der Treibhausblüte stimuliert der Tod die exaltierte Schönheit.

Der Greis geht an die Front, zu sterben für das Leben.

Viele lieben die Abwechslung, aber nur wenige stehen unter dem Zwang der Ablösung.

*

Aufgespürt

Das Geheimnis des Gleichmuts liegt in dem Bereitsein ohne den Einsatz des Wolles.

Unser Unterbewußtsein demonstriert die perfektionierteste Arbeitsweise.

Lächeln ist eine erschöpfende Aussage ohne Worte.

Die innere Stimme muß schon vorlaut werden, damit wir ihr folgen.

Vergessene Worte haben ihre eigenen Archive.

*

Schwere Zeiten formen uns oft des Guten zuviel.

Ein starkes Gemüt besteht aus abgelagerten Eindrücken.

In der Erinnerung übertönt das Ende den Anfang.

Der Anblick des Todes macht erfahren.

Das Ahnen von uns selbst kommt einem Wissen gleich.

Wir sind die Sklaven von dem, was uns nicht glücklich macht.

*

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Kommentare

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Comments page 3 of 3
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Lotta
Posted 507 days ago
You get a lot of respect from me for writing these helpful quotes.
Jady
Posted 508 days ago
No complaints on this end, simply a good piece.
Trish
Posted 508 days ago
AKAIK you've got the answer in one!
Sparky
Posted 545 days ago
I am froever indebted to you for this information.
Dahrann
Posted 548 days ago
This is exactly what I was looknig for. Thanks for writing!
Peter Schwerl
Posted 1403 days ago
Die Aphorismen von Hans Arndt gefallen mir sehr. Danke für die Veröffentlichung! Peter Scherl
Berichterstattung
Posted 1649 days ago
Stil hat Hans Arndt durch viele weise Sprüche, keine Frage! Neben allgemeinen Weisheiten hat er sich auch intensiv mit dem Thema Frauen, Tod, Freundschaften und Weltgeschichte auseinandergesetzt. Mir persönlich gefallen viele seiner Aphorismen...
Herbert
Posted 1672 days ago
Eine großartige Sammlung eines großartigen Schriftstellers!
 

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