Arndt Tomás Malpraxis - Eine Einführung in die Malerei
Eingangsseite
Diese Seite weiterempfehlen
Ölmalerei kaufen
Kontaktaufnahme

Malpraxis - Eine Anleitung in die Ölmalerei auf Leinwand

Die ersten Schritte in der Ölmalerei in Kaptieln

Sie malen und benötigen eine Anleitung für die ersten Schritte? Aus meiner praktischen Erfahrung werde ich Ihnen das notwendige Grundwissen vermitteln. Gewisse handwerkliche Kenntnisse sind unumgänglich, um späteren Enttäuschungen vorzubeugen. Sie haben auch die Option, einzelne Teile meiner Malpraxis im PDF-Format für ein schöneres Druckbild herunterzuladen. Klicken Sie dazu auf das Ordnersymbol neben den einzelnen Überschriften.

Vielen Künstlern ist diese Seite bekannt - einige haben auch einen Kommentar über ihre Erfahrungen auf die Pinnwand geschrieben. Über eine Rückmeldung von Ihnen würde ich mich natürlich auch sehr freuen! Nutzen Sie dazu die Pinnwand am unteren Ende dieser Seite. Wenn Sie über weitere Beiträge über Malerei auf meiner Internetseite oder aber neu hinzugefügte Bilder benachrichtig werden wollen, so schreiben Sie sich in meinem Newsletter ein.

Malpraxis
Teil I: Aufziehen der Leinwand auf Keilrahmen
Teil II: Die Grundierung einer Leinwand
Teil IIIa: Komposition einer Landschaft - Bildaufbau und Farbgebung
Teil IIIb: Kompositioin einer Landschaft - Zweiter Farbauftrag

Tipps & Tricks
Sie können jeden Teil der Malpraxis bewerten!
Empfehlen Sie diese Internetseite an jemanden weiter.
Besucherkommentare über meine Einführung in die Malerei; schreiben auch Sie Ihre Meinung!
Unser Rundschreiben hält Sie auf dem Laufenden: Aktualisierungen und Ergänzungen.

--

Teil I: Aufziehen der Leinwand auf Keilrahmen

Als Bildträger kommen Gewebe, Holz, Papier, Pappe und Metall in Frage. Uns interessieren hier nur die verschiedenen Gewebearten, die für eine Leinwand in Betracht kommen.

  • Flachs
    Flachs ist das am häufigsten verwendete Gewebe. Man unterscheidet Reinleinen von Halbleinen. Reinleinen besteht ganz aus Flachsbastfasern, Halbleinen in der Kette aus Baumwolle, im Schuß aus Flachs.
  • Hanf
    Hanf ist ein festes und gleichmäßiges Gewebe und ist damit für größere Formate geeignet.
  • Baumwolle
    Baumwolle hat sich für kleinere Formate bewährt.
  • Jute
    Jute ist ein grobes, geringwertiges Gewebe, für Leinwände ungeeignet.

Jedes Gewebe hat hygroskopische Eigenschaften, d.h. es nimmt Feuchtigkeit aus der Luft auf und gibt diese an sie wieder ab. Diese Vorgänge können zu erheblichen Beschädigungen bei den aufgetragenen Farbschichten führen: Bei der Wahl des Gewebes ist auf Zugfestigkeit zu achten. Beim Ziehen darf sich die Leinwand nur wenig und gleichmäßig nach beiden Seiten ausdehnen und nicht bauchig werden. Gewebe mit verschiedenen Fasernarten (z.B. Halbleinen) sind aus diesem Grund für Leinwände nicht geeignet.

Hält man die ungrundierte Leinwand gegen das Licht, lässt sich erkennen, ob sie dicht und gleichmäßig gewebt ist. Nur dieses Qualitätszeichen gewährleistet eine gute Haftung der Grundierung. Ich habe mit Reinleinen für alle Formate die besten Erfahrungen gemacht.

Vor der Grundierung sollte die Leinwand auf einen Keilrahmen gespannt werden. Die vier Rahmenteile müssen vor dem Bespannen absolut rechtwinklig zueinander stehen. Auch beim späteren Nachspannen muß die Rechtwinkligkeit erhalten bleiben. Die Leinwand wird so auf den Keilrahmen gelegt, daß Kette und Schuß absolut parallel zum Keilrahmen verlaufen.

Die Leinwand wird jetzt mit einem Überstand von 2,5 bis 3,0 cm zurechtgeschnitten und jeweils in der Mitte der vier Rahmenteile mit einer Heftzwecke fixiert. Per Hand oder besser mit einer Spannzange wird die Leinwand auf einen Rahmenteil von innen nach außen mit kleinen, breitköpfigen Nägeln befestigt. Danach verfährt man auf der gegenüberliegenden Seite in gleicher Weise. Die Ecken bleiben zunächst frei. Bevor die dritte und vierte Seite der Leinwand auf den Keilrahmen genagelt wird, muß unbedingt nochmals überprüft werden, ob Kette und Schuß waagerecht bzw. senkrecht zum Keilrahmen verlaufen. Eine Korrektur ist jetzt noch möglich. Zum Schluß werden die Ecken umgelegt und mit etwas längeren Nägeln im Bereich der Gehrung befestigt.

Die Leinwand sollte jetzt eine gleichmäßige Spannung haben, ohne Falten und Beulen. Die Keile können jetzt in die Schlitze geschoben werden. Ich empfehle die Keile erst nach der Grundierung leicht vorzutreiben. Aufgabe der Keile ist ein schlaff gewordenes Bild wieder zu spannen.

Trockene Bilder müssen äußerst behutsam nachgespannt werden, um Risse in der Grundierung und den Farbschichten zu vermeiden.
Arndt Tomás

Seite versenden
Schreiben Sie Ihren Erfahrungsbericht!

Teil II: Die Grundierung einer Leinwand

Ungrundierte Gründe sind porös, starksaugend, schlucken viel Farbe, die im Grund verschwindet und somit das Arbeiten erschwert. Die so getränkte Faser der Leinwand wird schnell brüchig. Um diese Nachteile zu umgehen, müssen die Gründe dicht und undurchlässig gemacht werden. Ein heller Grund verstärkt außerdem die Leuchtkraft des Bildes.

Vielen Malern ist der Grund, den sie benutzen, gleichgültig. Ein richtig bearbeiteter Grund gewährleistet nicht nur die Haltbarkeit eines Bildes, sondern erlaubt ein zügiges Aufbringen der Farben. Außerdem bleibt die Leuchtkraft der Farben eher erhalten.

Das Grundiermaterial besteht aus Leim und Füllmaterial sowie aus Deckfarbe. Die für eine Grundierung benötigten Materialien sind in jedem Fachgeschäft für Mal- und Künstlerbedarf erhältlich.

Als Leim verwenden wir Knochenleim, der häufig in körniger Form vorliegt, sog. Perlleim. Um den Grund dicht und porenfüllend zu machen, setzen wir dem Leim Kreide hinzu. Kreide ist kohlensaurer Kalk. Kreide hat eine nur geringe Deckkraft. Darum wird der Grundierung Deckfarbe hinzugesetzt. Zinkweiß ist die beste Deckfarbe für eine Grundierung. Ohne Deckfarbe würde sich die Grundierung im Laufe der Zeit verdunkeln.

Eine Grundierung wird in zwei Schritten hergestellt:
1. die Leimung der Leinwand
2. die eigentliche Grundierung

Ad 1) Es werden ca. 70 Gramm Perlleim in 1000 ml Wasser eingerührt. Den Leim quellen lassen. Nach dem Quellen kann die Masse leicht erwärmt und umgerührt werden, bis sie flüssig ist. Zu starkes Erwärmen verringert die Klebekraft des Leims. Die Hälfte des Leims wird für die Leimung, die andere Hälfte für die Zubereitung der Grundiermasse verwendet.

Das Auftragen des Leimwassers auf die Leinwand erfolgt mit dem durchtränkten, dann ausgedrückten Pinsel. Die Leinwand darf dabei nicht durchnäßt werden. Sie würde sonst brüchig werden und ausbeulen. Leimungen und Grundierungen müssen fern von Heizungen oder der Sonneneinstrahlung durchtrocknen. Ein zu schnell trocknender Grund platzt ab. Vor dem Aufbringen der eigentlichen Grundierung muß die Leimung vollständig durchgetrocknet sein. Nach dem Trocknen muß die Leinwand eventuell leicht nachgespannt werden.

Ad 2) Die Grundierung, der Kreidegrund und der Halbkreidegrund. Es werden benötigt:

50 % des Leimwassers,
ein gleiches Raummaß Kreide (400 - 450 Gramm),
ein gleiches Raummaß Zinkweiß (200 Gramm).

Kreide und Zinkweiß werden trocken miteinander gemischt, bevor unter Rühren langsam das Leimwasser zugegeben wird. Die Masse muß klumpenfrei sein. Die Grundierung kann jetzt mit einem Pinsel oder Spachtel auf die trockene Leimung dünn aufgetragen werden. Eine zu dick aufgetragene Grundierung muß mit dem Spachtel geglättet und abgetragen werden. Es sollten nur die Poren der Leinwand gefüllt werden. Eine zu dick aufgetragene Grundierung kann später abplatzen! Die Grundiermasse sollte rückseitig nicht austreten. Ich empfehle zwei dünne Anstriche mit der Grundierung. Der zweite Anstrich kann bereits nach nur oberflächlicher Trocknung (ca. 30 - 45 Minuten) erfolgen. Stellt man störende Pinselstriche nach der Trocknung fest, kann die Oberfläche mit feinem Schmirgelpapier vorsichtig geschliffen werden. Die nicht verwendete Grundiermasse des Kreidegrundes kann für spätere Einsätze kühl aufbewahrt werden. Ist die Masse eingedickt, muß sie mit Leimwasser streichfähig gemacht werden. Färbt der Kreidegrund nach dem Trocknen ab, ist dies ein Zeichen dafür, dass der Grundiermasse zu wenig Leimwasser zugegeben wurde.

Der Kreidegrund ist ein stark saugender Grund. Er eignet sich für dünne, fast aquarellartig aufgetragene Ölfarben. Erzielt wird eine matte Farbigkeit, die die Schönheit der Farben voll zur Geltung bringt. Wird ein weniger saugfähiger Grund bevorzugt, empfehle ich einen Halbkreidegrund. Dazu wird wie oben beschrieben ein Kreidegrund angerührt. Zusätzlich werden der Masse 1/3 oder ½ oder 2/3 Raumteile Leinölfirnis zugegeben. Für meine Grundierungen nehme ich 250 ml Leinölfirnis. Das Leinöl wird tropfenweise in die kalte, eventuell gestockte Kreidegrundmasse am Schluss eingerührt. Zu dünner und zu warmer Kreidegrund nimmt das Leinöl schlecht auf oder scheidet es wieder ab. Pinsel müssen bei allen ölhaltigen Untergründen sofort gereinigt werden. Die Halbkreidegrundmasse kann im Gegensatz zur normalen Kreidegrundmasse, wie oben beschrieben, nicht lange aufbewahrt werden.
Arndt Tomás

Seite versenden
Schreiben Sie Ihren Erfahrungsbericht!

Teil IIIa: Kompositon einer Landschaft - Bildaufbau und Farbgebung

Man wähle einen Landschaftsausschnitt (Motiv), den man darstellen möchte. In diesem Landschaftsausschnitt sollten mindestens vier Raumpläne untergebracht werden:

Raumplan
1: Vordergrund
2: vorderer Mittelgrund
3: hinterer Mittelgrund
4: Hintergrund

Beispiel zu Raumplan 1: Wiese mit einem großen Baum oder Uferböschung mit Booten oder Haus mit Hecke.

Beispiel zu Raumplan 2: das, was sich räumlich im Beispiel 1 anschließt: z. B. ein parallel zum unteren Bildrand verlaufender Fluß, evtl. mit Booten.

Beispiel zu Raumplan 3: der Teil der Landschaft, der sich vor dem Horizont befindet. Gegenständliches, wie im Hintergrund stehende kleine Bäume oder Berge. Diese können auch den Hintergrund überragen.

Beispiel zu Raumplan 4: der Himmel über dem Horizont, wobei zu überlegen ist, auf welcher Höhe der Horizont platziert werden soll z.B. 2/3 Himmel, 1/3 Land oder 1/3 Himmel, 2/3 Land oder man findet eine andere Einteilung.

Bei der Wahl des Landschaftsausschnittes sollte man anfangs ein möglichst einfaches Motiv wählen. Folgende Kompositions-Linien sind zu beachten:

die Waagerechte, z. B. Uferböschung, Horizont
die Senkrechte, z. B. ein Baum, ein Mast, eine Hauskante
die flache und steile Diagonale, z.B. ein nach hinten sich verkürzender Weg

Nun ist zu überlegen, welche Stimmung die Landschaft erhalten soll: z.B. eine Augenblick-Stimmung im Sinne des Impressionismus oder eine für eine bestimmte Landschaft typische Stimmung, z.B. eine nordische Landschaft mit grauer Stimmung und wenig Farbigkeit oder eine südliche Landschaft nachmittags, mit intensiven Farben. MERKE: entscheide Dich für ein Augenerlebnis und setze dies konsequent mit bildnerischen Mitteln um!

Für die Realisation stehen uns zur Verfügung:
1: Farbe
2: Tonwert
3: Raum
4: Fläche

1: Zur Farbe: Im Farbenkreis stehen den drei Grundfarben Gelb, Blau, Rot die Komplementärfarben Violett, Orange, Grün gegenüber Farbkreis. Siehe Abbildung Farbenkreis.

2: Zum Tonwert (Valeur): darunter versteht man den Hell-Dunkel-Wert einer Farbe. Blau ist dunkler und kühler als das warm strahlende Orange.

3: Zum Raum: zur Verfügung stehen uns:

Zentralperspektive
Luftperspektive
Farbperspektive
Farbraum

Begonnen wird mit der Konstruktion des Raumes mit Hilfe der Zentralperspektive. Wenn möglich male man das Bild zunächst aus dem Kopf, nachdem man sich über die Kompositionslinien, die Raumaufteilun, über die Stimmung (nördliche oder südliche Landschaft morgens, mittags oder abends) und über die Farben klar geworden ist. Natürlich kann man sich auch mit der Leinwand in die Landschaft stellen und sich inspirieren lassen, oder Korrekturen vornehmen.

4: Zur Fläche: es ist zu unterscheiden zwischen der materiellen Fläche und der ideellen Fläche. Die materielle Fläche ist die Grundfläche in Gestalt der grundierten Leinwand. Die ideelle Fläche ist der Träger der gestalterischen Idee. Das kann die ganze Fläche sein oder kleinere Flächenanteile. Neben der materiellen Fläche bedient man sich zu Anfang der kleinsten ideellen Fläche, die es gibt: mit dem mit Farbe getränkten Pinsel tupft man einen Punkt auf die Leinwand und erhält so die kleinstmögliche farbige Fläche (Pointillismus).

Erster Farbauftrag:
Anfangs tupft man mit Bedacht sorgfältig Punkt neben Punkt mit kleinen Zwischenräumen zwischen den Punkten, später frei und nicht mehr so methodisch. Die ideale Pinselgröße für diese Vorgehensweise ist die Pinselgröße Nr. 4. Empfehlenswert ist es, mit dem Himmel anzufangen, da der Himmel mit seinem strahlenden Licht die Farben der Landschaft bestimmt. Beabsichtigt man z.B. einen kühlen, strahlenden Himmel zu malen, der kaum Farbe hat, leicht zu grau-blau tendiert, so geht man von Weiß aus und mischt etwas Kobaltblau oder Ultramarinblau hinzu. Zum Brechen des intensiven Blaus gibt man eine Spur Schwarz hinzu...

Man nimmt anfangs den Mittelwert einer Farbe, den mittleren Hell-Dunkel-Wert. Die Lichter und die Dunkelheiten setzt man zum Schluß. Diese Farbmischung, die noch gar nichts aussagt, wird nun auf die Leinwand getupft, von links nach rechts und von oben bis zum Horizont. Befindet sich auf der zu tupfenden Fläche z.B. eine Wolke in dem kühl-grauen Himmel, so wird dieser Bereich zunächst einmal ausgespart. Zuvor sollte die Form der Wolke durch Kompositionslinien (flache, steile Diagonale, waagerechte, senkrechte Linie) angedeutet werden.

Soll eine grüne Wiese den hinteren Mittelgrund ausfüllen, so könnte aus folgenden Farben ein Grün gemischt werden: Kobaltblau und Lichter Ocker (mildes Grün) oder Kobaltblau und Kadmiumgelb hell oder dunkel (strahlendes Grün). Chromoxydgrün feurig wird selten und möglichst sparsam nur in Mischungen mit Kobaltblau oder Ultramarinblau eingesetzt, um ein Grün intensiver zu machen. Mit dem angemischten Grün werden alle Flächen, die grün sein sollen, getupft, z.B. grüne Wiese, grüner Acker, ohne Rücksicht auf eine nähere Bestimmung der Aussagekraft eines Grün.

Bei der Wahl der Farbe, die man verwenden will, gehe man von der Lokalfarbe aus, also von der Farbe, die der Gegenstand tatsächlich hat: rotes Dach, blauer Himmel, grüne Wiese usw. Soll z.B. im Vordergrund ein Baum auf einer grünen Wiese stehen, so werden die Umrisse (Stamm, Zweige, Laubvolumen) ebenfalls nur umtupft. Die so entstehenden Umrisse führen zu einer Linienführung, deren kompositorische Dynamik durch sorgfältige Farbgebung gesteigert wird.

Nach dem Erreichen des unteren Randes der Bildfläche können die ausgesparten Flächen (Baum, Wolke) mit Lokalfarbe ausgetupft werden. Die Wolke z.B. mit Dunkelgraublau, der Baum mit Graubraun.

Das Bild ist jetzt angelegt. Man erhält einen ersten Eindruck über die kompositorische Linienführung (Waagerechte, Senkrechte, Diagonale) aber es hat weder Farbe als Ausdruckswert, noch nähere Bestimmung, noch Licht.
Arndt Tomás

Seite versenden
Schreiben Sie Ihren Erfahrungsbericht!

.

Teil IIIb: Kompositon einer Landschaft - Zweiter Farbauftrag

Jetzt erst kommt der Komplementärkontrast ins Spiel. Durch ihn bekommt das Bild seinen malerischen Wert, das heißt seinen Farb- und Lichtwert. Spätestens jetzt erkennt man, wie riskant das Malen ist. Welche Kontrastfarbe (Komplementärkontrast) muß in die frei gebliebenen Zwischenräume des kühl grau-blauen Himmels gesetzt werden? Kühl grau-blau ist ja keine Grundfarbe zu der sich eine Komplementärfarbe finden lässt. Und doch ist es so: zu einem hellen Kühl –Grau-Blau setzt man von vielen Möglichkeiten, die sich in diesem Fall anbieten, vielleicht ein Gemisch aus Weiß und Lichtem Ocker im selben Tonwert (Hell-dunkelwert) wie das Kühle Grau-Blau. Sofort kommunizieren diese beiden Farben: sie leuchten, der Himmel fängt an zu leuchten.

Jetzt verfährt man so mit jeder Fläche, die bereits beim ersten Maldurchgang mit einer Farbe angelegt wurde: in die freigebliebenen Zwischenräume wird Kontrastfarbe (Komplementärfarbe) eingefügt. Bei grüner Wiese einen Rot-Ton oder vielmehr einen Ton, der zum Grün warm steht, aber das Grün immer noch dominieren lässt. Dabei kann man insofern schon motiviert arbeiten, indem man mit dem Setzen des Komplementärkontrastes gleichzeitig die Flächen zum Helleren oder Dunkleren, zum Wärmeren oder Kühleren bestimmt. Wichtig ist hierbei, dass der gesetzte Farbton sauber auf dem Untergrund steht, zunächst also auf dem weißen Kreidegrund, später beim weiteren Übermalen immer durch seine nähere Bestimmung im Kontrast zu dem bereits vorhandenen Ton. So verfährt man durch das ganze Bild, wobei man sich auch größere Freiheiten erlauben kann, zum Beispiel das Intensivieren einer noch matt wirkenden Farbe. Aber immer Punkte setzen, keine Linien benutzen. Linien entstehen unwillkürlich durch das Zusammentreffen zweier Flächen. Diese Nahtlinien wirken dynamisch wie eine wirklich gezogene Linie und können daher sehr den Ausdruck eines Bildes mitbestimmen. Man arbeite immer frisch und mit Neugier auf die Wirkung. Stellt sich Müdigkeit ein, höre man sofort auf, sonst verdirbt man noch etwas. Eine Pause verhilft dem Auge zu kritischem Sehen und dann kann man zu Änderungen schreiten.

Nach dem zweiten Farbauftrag geht man an den dritten Farbdurchgang, dann an den vierten und malt so lange, bis einem das Bild in seinem Ausdruck gefällt. Zum Schluß versucht man alles miteinander in Einklang zu bringen, bis die Bildeinheit, das heißt die Bildidee, steht. Es ist vorteilhaft, anfangs mit dem Mittelwert einer Farbe zu arbeiten (mittlerer Hell-Dunkel-Wert). Die Lichter und die Dunkelheiten setzt man am Schluß.

Kommt der Prozeß des Malens ins Stocken, weil man unsicher ist oder nicht mehr weiter weiß, so stelle man das Bild in Sichtweite zur Seite. Durch Betrachten und Nachdenken entwickeln sich Ideen, die zum Weitermalen auffordern. Aber Vorsicht: durch zu viele Farbaufträge kann ein Bild an Vitalität verlieren, es wird todgemalt. Darum muß gerade gegen Ende des Malprozesses jeder Farbtupfer sorgsam bedacht werden, nur so erzielt man zufriedenstellende Ergebnisse.
Arndt Tomás

Seite versenden
Schreiben Sie Ihren Erfahrungsbericht!

Kommentare

Kommentare zur Einführung in die Malerei, Fragen, Vorschläge oder Bemerkungen bezüglich unserer Malpraxis finden Sie hier. Sie sind herzlich eingeladen, ebenso einen Kommentar für zukünftige Besucher abzugeben.

Hinweis: Bitte beachten Sie, dass Kommentare Dritter nicht die Meinung des Internetseitenbetreibers widergeben. Wir behalten uns vor, sie zu kürzen oder zu löschen. Wir bitten unsere Leser, unerwünschte oder anstößige Beiträge über das Kontaktformular zu melden.

Comments page 5 of 5
Click here to add a comment
Travon
Posted 513 days ago
Mighty useful.
 

Malpraxis
Teil I: Aufziehen der Leinwand auf Keilrahmen
Teil II: Die Grundierung einer Leinwand
Teil IIIa: Komposition einer Landschaft - Bildaufbau und Farbgebung
Teil IIIb: Kompositioin einer Landschaft - Zweiter Farbauftrag

Tipps & Tricks
Sie können jeden Teil der Malpraxis bewerten!
Empfehlen Sie diese Internetseite an jemanden weiter.
Besucherkommentare über meine Einführung in die Malerei; schreiben auch Sie Ihre Meinung!
Unser Rundschreiben hält Sie auf dem Laufenden: Aktualisierungen und Ergänzungen.
Aktuelle Besucherzahlen des Internetportals anzeigen.

Synonyme dieser Internetseite

Anleitung zur Erstellung einer Leinwand Malpraxis Keilrahmen Anleitungen Aufziehen auf Keilrahmen Keile Einleitung in die Malerei Kunstportal Anleitungen Keilrahmen Spannen Kunsthandwerk Verstehen Leinwände selber bauen basteln zusammenleimen Öl-Leinwand spannen Leinwand Grundieren Kreide Zinkweiß Kreidegrund Grundiermasse Yute spannen Yute grundieren Kreidegrund anmischen Anleitung für die Malerei Einführung in die Ölmalerei Grundierung einer Leinwand Keilrahmen nachspannen Ölrahmen Nachspannen Leimwasser Leimung der Leinwand Rahmenteile Spitze einfügen von Rahmenteilen Rahmenbespannung Tonwert Farbkreis Perlleim Halbkreidegrundmasse Komposition einer Landschaft erste Schritte zur Malerei Ölmalerei-Einführung Farbaufträge auf Grundierung von Leinwänden Komplementärfarben Malanleitungen Einführung in die Malerei Malprozeß Farbtupfer Maltechniken die ersten Schritte in der Malerei praktisches Wissen über Ölgemälde und Maltechniken Techniken der Ölmalerei Anleitung in die Ölmalerei Kommentare zur Malpraxis Tipps zur Malerei Tipps in der Ölmalerei Bildbeschreibung Anleitung Ölmalerei Leinwand Keilrahmen Kunst Aufziehen Hamburg Grundierung Stilleben und Landschaften ölmalerei technik Malpraxis

-- Copyright © Worldpaintings.de. Alle Texte und Abbildungen unterliegen dem Urheberrecht des jeweiligen Künstlers. --
Malerei • Aphorismen • Malpraxis
Deutsch | English | Español
© 1997-2013