Teil II: Die Grundierung einer Leinwand
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Man wähle einen Landschaftsausschnitt (Motiv), den man darstellen möchte. In diesem Landschaftsausschnitt sollten mindestens vier Raumpläne untergebracht werden:
Raumplan
1: Vordergrund
2: vorderer Mittelgrund
3: hinterer Mittelgrund
4: Hintergrund
Beispiel zu Raumplan 1: Wiese mit einem großen Baum oder Uferböschung mit Booten oder Haus mit Hecke.
Beispiel zu Raumplan 2: das, was sich räumlich im Beispiel 1 anschließt: z. B. ein parallel zum unteren Bildrand verlaufender Fluß, evtl. mit Booten.
Beispiel zu Raumplan 3: der Teil der Landschaft, der sich vor dem Horizont befindet. Gegenständliches, wie im Hintergrund stehende kleine Bäume oder Berge. Diese können auch den Hintergrund überragen.
Beispiel zu Raumplan 4: der Himmel über dem Horizont, wobei zu überlegen ist, auf welcher Höhe der Horizont platziert werden soll z.B. 2/3 Himmel, 1/3 Land oder 1/3 Himmel, 2/3 Land oder man findet eine andere Einteilung.
Bei der Wahl des Landschaftsausschnittes sollte man anfangs ein möglichst einfaches Motiv wählen. Folgende Kompositions-Linien sind zu beachten:
die Waagerechte, z. B. Uferböschung, Horizont
die Senkrechte, z. B. ein Baum, ein Mast, eine Hauskante
die flache und steile Diagonale, z.B. ein nach hinten sich verkürzender Weg
Nun ist zu überlegen, welche Stimmung die Landschaft erhalten soll: z.B. eine Augenblick-Stimmung im Sinne des Impressionismus oder eine für eine bestimmte Landschaft typische Stimmung, z.B. eine nordische Landschaft mit grauer Stimmung und wenig Farbigkeit oder eine südliche Landschaft nachmittags, mit intensiven Farben. MERKE: entscheide Dich für ein Augenerlebnis und setze dies konsequent mit bildnerischen Mitteln um!
Für die Realisation stehen uns zur Verfügung:
1: Farbe
2: Tonwert
3: Raum
4: Fläche
1: Zur Farbe: Im Farbenkreis stehen den drei Grundfarben Gelb, Blau, Rot die Komplementärfarben Violett, Orange, Grün gegenüber Farbkreis. Siehe Abbildung Farbenkreis.
2: Zum Tonwert (Valeur): darunter versteht man den Hell-Dunkel-Wert einer Farbe. Blau ist dunkler und kühler als das warm strahlende Orange.
3: Zum Raum: zur Verfügung stehen uns:
Zentralperspektive
Luftperspektive
Farbperspektive
Farbraum
Begonnen wird mit der Konstruktion des Raumes mit Hilfe der Zentralperspektive. Wenn möglich male man das Bild zunächst aus dem Kopf, nachdem man sich über die Kompositionslinien, die Raumaufteilun, über die Stimmung (nördliche oder südliche Landschaft morgens, mittags oder abends) und über die Farben klar geworden ist. Natürlich kann man sich auch mit der Leinwand in die Landschaft stellen und sich inspirieren lassen, oder Korrekturen vornehmen.
4: Zur Fläche: es ist zu unterscheiden zwischen der materiellen Fläche und der ideellen Fläche. Die materielle Fläche ist die Grundfläche in Gestalt der grundierten Leinwand. Die ideelle Fläche ist der Träger der gestalterischen Idee. Das kann die ganze Fläche sein oder kleinere Flächenanteile. Neben der materiellen Fläche bedient man sich zu Anfang der kleinsten ideellen Fläche, die es gibt: mit dem mit Farbe getränkten Pinsel tupft man einen Punkt auf die Leinwand und erhält so die kleinstmögliche farbige Fläche (Pointillismus).
Erster Farbauftrag:
Anfangs tupft man mit Bedacht sorgfältig Punkt neben Punkt mit kleinen Zwischenräumen zwischen den Punkten, später frei und nicht mehr so methodisch. Die ideale Pinselgröße für diese Vorgehensweise ist die Pinselgröße Nr. 4. Empfehlenswert ist es, mit dem Himmel anzufangen, da der Himmel mit seinem strahlenden Licht die Farben der Landschaft bestimmt. Beabsichtigt man z.B. einen kühlen, strahlenden Himmel zu malen, der kaum Farbe hat, leicht zu grau-blau tendiert, so geht man von Weiß aus und mischt etwas Kobaltblau oder Ultramarinblau hinzu. Zum Brechen des intensiven Blaus gibt man eine Spur Schwarz hinzu...
Man nimmt anfangs den Mittelwert einer Farbe, den mittleren Hell-Dunkel-Wert. Die Lichter und die Dunkelheiten setzt man zum Schluß. Diese Farbmischung, die noch gar nichts aussagt, wird nun auf die Leinwand getupft, von links nach rechts und von oben bis zum Horizont. Befindet sich auf der zu tupfenden Fläche z.B. eine Wolke in dem kühl-grauen Himmel, so wird dieser Bereich zunächst einmal ausgespart. Zuvor sollte die Form der Wolke durch Kompositionslinien (flache, steile Diagonale, waagerechte, senkrechte Linie) angedeutet werden.
Soll eine grüne Wiese den hinteren Mittelgrund ausfüllen, so könnte aus folgenden Farben ein Grün gemischt werden: Kobaltblau und Lichter Ocker (mildes Grün) oder Kobaltblau und Kadmiumgelb hell oder dunkel (strahlendes Grün). Chromoxydgrün feurig wird selten und möglichst sparsam nur in Mischungen mit Kobaltblau oder Ultramarinblau eingesetzt, um ein Grün intensiver zu machen. Mit dem angemischten Grün werden alle Flächen, die grün sein sollen, getupft, z.B. grüne Wiese, grüner Acker, ohne Rücksicht auf eine nähere Bestimmung der Aussagekraft eines Grün.
Bei der Wahl der Farbe, die man verwenden will, gehe man von der Lokalfarbe aus, also von der Farbe, die der Gegenstand tatsächlich hat: rotes Dach, blauer Himmel, grüne Wiese usw. Soll z.B. im Vordergrund ein Baum auf einer grünen Wiese stehen, so werden die Umrisse (Stamm, Zweige, Laubvolumen) ebenfalls nur umtupft. Die so entstehenden Umrisse führen zu einer Linienführung, deren kompositorische Dynamik durch sorgfältige Farbgebung gesteigert wird.
Nach dem Erreichen des unteren Randes der Bildfläche können die ausgesparten Flächen (Baum, Wolke) mit Lokalfarbe ausgetupft werden. Die Wolke z.B. mit Dunkelgraublau, der Baum mit Graubraun.
Das Bild ist jetzt angelegt. Man erhält einen ersten Eindruck über die kompositorische Linienführung (Waagerechte, Senkrechte, Diagonale) aber es hat weder Farbe als Ausdruckswert, noch nähere Bestimmung, noch Licht.
Arndt Tomás
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Jetzt erst kommt der Komplementärkontrast ins Spiel. Durch ihn bekommt das Bild seinen malerischen Wert, das heißt seinen Farb- und Lichtwert. Spätestens jetzt erkennt man, wie riskant das Malen ist. Welche Kontrastfarbe (Komplementärkontrast) muß in die frei gebliebenen Zwischenräume des kühl grau-blauen Himmels gesetzt werden? Kühl grau-blau ist ja keine Grundfarbe zu der sich eine Komplementärfarbe finden lässt. Und doch ist es so: zu einem hellen Kühl Grau-Blau setzt man von vielen Möglichkeiten, die sich in diesem Fall anbieten, vielleicht ein Gemisch aus Weiß und Lichtem Ocker im selben Tonwert (Hell-dunkelwert) wie das Kühle Grau-Blau. Sofort kommunizieren diese beiden Farben: sie leuchten, der Himmel fängt an zu leuchten.
Jetzt verfährt man so mit jeder Fläche, die bereits beim ersten Maldurchgang mit einer Farbe angelegt wurde: in die freigebliebenen Zwischenräume wird Kontrastfarbe (Komplementärfarbe) eingefügt. Bei grüner Wiese einen Rot-Ton oder vielmehr einen Ton, der zum Grün warm steht, aber das Grün immer noch dominieren lässt. Dabei kann man insofern schon motiviert arbeiten, indem man mit dem Setzen des Komplementärkontrastes gleichzeitig die Flächen zum Helleren oder Dunkleren, zum Wärmeren oder Kühleren bestimmt. Wichtig ist hierbei, dass der gesetzte Farbton sauber auf dem Untergrund steht, zunächst also auf dem weißen Kreidegrund, später beim weiteren Übermalen immer durch seine nähere Bestimmung im Kontrast zu dem bereits vorhandenen Ton. So verfährt man durch das ganze Bild, wobei man sich auch größere Freiheiten erlauben kann, zum Beispiel das Intensivieren einer noch matt wirkenden Farbe. Aber immer Punkte setzen, keine Linien benutzen. Linien entstehen unwillkürlich durch das Zusammentreffen zweier Flächen. Diese Nahtlinien wirken dynamisch wie eine wirklich gezogene Linie und können daher sehr den Ausdruck eines Bildes mitbestimmen. Man arbeite immer frisch und mit Neugier auf die Wirkung. Stellt sich Müdigkeit ein, höre man sofort auf, sonst verdirbt man noch etwas. Eine Pause verhilft dem Auge zu kritischem Sehen und dann kann man zu Änderungen schreiten.
Nach dem zweiten Farbauftrag geht man an den dritten Farbdurchgang, dann an den vierten und malt so lange, bis einem das Bild in seinem Ausdruck gefällt. Zum Schluß versucht man alles miteinander in Einklang zu bringen, bis die Bildeinheit, das heißt die Bildidee, steht. Es ist vorteilhaft, anfangs mit dem Mittelwert einer Farbe zu arbeiten (mittlerer Hell-Dunkel-Wert). Die Lichter und die Dunkelheiten setzt man am Schluß.
Kommt der Prozeß des Malens ins Stocken, weil man unsicher ist oder nicht mehr weiter weiß, so stelle man das Bild in Sichtweite zur Seite. Durch Betrachten und Nachdenken entwickeln sich Ideen, die zum Weitermalen auffordern. Aber Vorsicht: durch zu viele Farbaufträge kann ein Bild an Vitalität verlieren, es wird todgemalt. Darum muß gerade gegen Ende des Malprozesses jeder Farbtupfer sorgsam bedacht werden, nur so erzielt man zufriedenstellende Ergebnisse.
Arndt Tomás
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Mighty useful.
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Malpraxis
Teil I: Aufziehen der Leinwand auf Keilrahmen
Teil II: Die Grundierung einer Leinwand
Teil IIIa: Komposition einer Landschaft - Bildaufbau und Farbgebung
Teil IIIb: Kompositioin einer Landschaft - Zweiter FarbauftragTipps & Tricks
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